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Behandlung von psychiatrischen und neurokognitiven Folgen einer Covid-19 Erkrankung

Institution
SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach

Projektleitung
Prof. Dr. Matthias Weisbrod

Projektbeteiligte
Dr. phil. Dipl. Psych. Steffen Aschenbrenner
PD Dr. med. Defne Eraslan
Dr. Thomas Schilling

Gefördert durch
Hans-Ruland-Stiftung

Dauer
2021–2022

Projektbeschreibung

Die Covid-19 PANDEMIE fordert nicht nur unser Gesundheitssystem sondern unsere Zivilgesellschaft als Ganzes heraus. Zunächst konzentrierte sich die wissenschaftliche Forschung auf die unmittelbar notwendigen Themen wie die Sicherstellung und Optimierung insbesondere der Akut- und Intensivbehandlung, die Entwicklung und den optimalen Einsatz von Impfstoffen und das Verständnis für die Ausbreitung der Erkrankung und die Verhinderung von Ansteckung. Das Auftreten und die Behandlung von subakuten physischen und psychischen Folgen der Erkrankung finden erst nach und nach stärkere Beachtung. Im englischen Sprachgebrauch hat sich für sistierende gesundheitliche Langzeitbeschwerden der Terminus „Long Covid“ etabliert

Die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach hat unterstützt durch die Hans-Ruland Stiftung die erste neuropsychiatrisch/neuropsychologische Long-Covid-Ambulanz etabliert, an die sich Menschen nach einer überstandenen Covid19 Erkrankung zur diagnostischen Abklärung und zur Beratung wenden können. In der Ambulanz werden das Ausmaß psychischer und neurokognitiver Störungen erfasst, etwaig aufgetretene Störungen charakterisiert und bei Vorliegen von Störungen Therapieempfehlungen erarbeitet. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen, den Bedarf für diagnostische und therapeutische Unterstützung zur Behandlung von psychischen und neurokognitiven Folgeerkrankungen einer Covid-19 Erkrankung abzuschätzen und die Erfordernisse an eine solche Spezialambulanz zu definieren.

Die Long-Covid-Ambulanz am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, die zum 01.03.2021 mit der Unterstützung der Hans-Ruland-Stiftung ihre Arbeit aufgenommen hat, wird sehr gut angenommen (Stand Juli 2021 konnten von den 115 angemeldeten Patienten 50 untersucht und beraten werden). In der Ambulanz wird die Symptomatik erfasst, differentialdiagnostische Fragen geklärt sowie individuelle Therapieoptionen – u.a. abgeleitet aus der detaillierten Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit – erarbeitet. Darüber hinaus bietet die Ambulanz zweimal wöchentlich eine telefonische Sprechstunde an, in der dringende Fragen und Anliegen individuell aufgenommen und geklärt werden können.

Aus den ersten Ergebnissen hat die Spezialambulanz eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Informationen und den bislang gesicherten Aussagen und Therapieempfehlungen zu Long-Covid zusammengestellt. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen und der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur entwickelt die Arbeitsgruppe um Dr. Schilling derzeit eine Gruppentherapie für Long-Covid-Patienten mit kognitiven Störungen und/oder Fatigue. Die erste Gruppe soll im Herbst durchgeführt, das Gruppenkonzept in der Folge evaluiert, optimiert und letztendlich zur breiten Anwendung zur Verfügung gestellt werden.

In mehreren Veranstaltungen wurde u.a. die Ärzteschaft Karlsruhe über neuropsychiatrische Aspekte informiert. Kooperationen konnten mit dem Kurpfalzklinikum in Heidelberg, dem Psychosozialen Zentrum des Universitätsklinikums Heidelberg, der Universität Konstanz und der Psychiatrischen Klinik in Gera (u.a. im Hinblick auf den Einsatz des Behandlungsprogramms) bereits vereinbart werden. Eine Kooperation mit dem Uniklinikum Heidelberg und dem Zentrum für Seelische Gesundheit in Mannheim im Kontext des Long-Covid-Netzwerkes Rhein-Neckar ist im Entstehen. Weitere Kontakte wurden mit der Long-Covid Ambulanz des Universitätsklinikums Freiburg und der Uni-Ambulanz in Wien aufgenommen.

Weitere Projektentwicklung

Zunächst steht die Erweiterung der Datenbasis und die differenzierte Auswertung der bislang erhobenen Daten an. Zusätzlich wird ausgehend von dem offensichtlich gewordenen über die Diagnostik hinausgehenden Behandlungsbedarf eine Gruppentherapie zur Behandlung von Long-Covid entwickelt. Ziel ist, die Gruppenbehandlung im Herbst 2021 mit zunächst geplant 8 Modulen zu beginnen. Die Behandlung ist aufgrund der unsicheren Pandemielage als Online-Gruppe angelegt. Die Gruppentherapie wird evaluiert, die Erfahrungen aus der Behandlung werden in die Modifizierung der Gruppentherapie einfließen. Bis Mitte 2022 soll eine manualisierte Gruppentherapie erstellt und bis zum Herbst 2022 auch zur Publikationsreife gebracht werden. Die Long-Covid-Ambulanz wird durchgehend fortgeführt.

Erweiterte Fragestellungen

Durch die Erweiterung der Ambulanz in Richtung Gruppentherapie stellen sich zusätzliche Forschungsfragen:

  1. Profitieren Patienten mit einem Long-Covid-Syndrom von einer Gruppentherapie?
  2. Welche Charakteristika von Patienten mit einem Long-Covid-Syndrom sind mit dem Outcome der Gruppentherapie assoziiert?
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