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Pressemitteilung:
Alles Kunst? 25 Jahre Museum Sammlung Prinzhorn

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Datum

27. Juni 2026

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Geflügelte Frauenfigur mit orangefarbenem Haar und Flügeln sowie hellblauem Körper; links oben eine rötliche Wolkenform, auf dem Blatt handschriftliche Notizen und Sammlungsstempel.

Pressemitteilung zur Jubiläumsausstellung „Alles Kunst? 25 Jahre Museum Sammlung Prinzhorn“:

Pressemitteilung:
ALLES KUNST? 25 JAHRE MUSEUM SAMMLUNG PRINZHORN

Ausstellungsdauer: 28. Juni 2026 bis 31. Januar 2027
Eröffnung: 27. Juni 2026, 18 Uhr

Das Museum Sammlung Prinzhorn beherbergt eine weltweit einzigartige Sammlung – rund 40.000 Werke, geschaffen von Anstaltsinsass*innen und Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung zwischen 1840 und heute. 2026 feiert das Museum sein 25-jähriges Bestehen. Mit der Jubiläumsausstellung „Alles Kunst?“ und einem umfangreichen Rahmenprogramm stellt es gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartner*innen eine zentrale Frage in den Mittelpunkt, die das Haus seit seiner Gründung begleitet: Wie können Werke aus psychiatrischen Kontexten ausgestellt werden, die ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren oder nicht als Kunst entstanden sind? Ziel der Ausstellung ist es, neue Wege des Zeigens von „Kunst am Rande der Kunst“ zu erproben und die Inklusion von Outsider Art im Kunstbetrieb weiter zu stärken.

Ikonische Werke neu gesehen

Die Ausstellung präsentiert zentrale Werke der Sammlung in neuer Form. Dazu gehört beispielsweise die nur fotografisch überlieferte, lebensgroße Puppe von Katharina Detzel (1872–nachweisbar bis 1960), die für die Ausstellung detailgetreu rekonstruiert wurde. Besucher*innen können so erstmals ihre räumliche Wirkung erleben – ein Objekt zwischen Schutzfunktion und möglicher erotischer Projektion.

Auch die von Else Blankenhorn (1878–1920) gefertigten Geldscheine, mit denen sie die Auferstehung verstorbener Liebespaare finanzieren wollte, werden neu erfahrbar: Sie wurden nachgedruckt und können im Ausstellungsraum betrachtet, in die Hand genommen und schließlich gegen Euro „eingetauscht“ werden.

Ein besonderer Höhepunkt ist der jüngste Neuzugang der Sammlung: das von Emma Mohr (1833–?) aus Leinenresten genähte und mit Stickereien versehene „Staatsalbum“-Textil. Er zeigt über 50 Bildfelder – von biblischen Szenen bis hin zu Darstellungen Kaiser Wilhelm I. und einem Selbstporträt der Stickerin im Zentrum. Die Rückseite zeigt gestickte Briefe an Kaiser und Staatsminister. In der Ausstellung ist das Werk von beiden Seiten sichtbar; ein Touchscreen erschließt zusätzlich Details dieses rätselhaften Werkes.

Historische Sepiafotografie: Eine Frau steht neben einer lebensgroßen, aus grobem Textilgewebe gefertigten menschenähnlichen Figur mit ausgestreckten Armen und hält sie im Innenraum eines Gebäudes aufrecht.
Katharina Detzel mit Puppe in der Anstalt Klingenmünster, 1914, Fotografie, Inv. Nr. 2713a c Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg
Großformatiger, bestickter Wandteppich aus Leinen mit rasterartig angeordneten Bildfeldern. Die farbigen Stickereien zeigen biblische Szenen, historische Persönlichkeiten, Alltagsszenen und Porträts; im Zentrum befindet sich ein quadratisches Feld mit einer Inneneinrichtung und einem Frauenporträt.
Emma Mohr, Staatsalbum, 1872-76, gestickter Teppich, Inv. Nr. 8655/1 recto c Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg

Das Museum und seine Geschichte
2001 erhielt die Sammlung rund 100 Jahre nach ihrer Gründung ein eigenes Museum in einem umgebauten Hörsaalgebäude auf dem Gelände des Altklinikums in Heidelberg. Die Idee eines Museums reicht jedoch weiter zurück: Bereits 1920 plante Hans Prinzhorn, der die Lehrmittelsammlung der Psychiatrischen Klinik Heidelberg zwischen 1919 und 1921 wesentlich erweiterte, ein „Museum für pathologische Kunst“. Das Vorhaben wurde nicht verwirklicht, doch machte Prinzhorns Buch „Bildnerei der Geisteskranken“ von 1922 die Sammlung international bekannt. Nach ihrer Instrumentalisierung im Nationalsozialismus geriet sie in Vergessenheit ─ bis man sie in den 1960er Jahren mit neuen Blicken entdeckte. In den 1980er Jahren formierte sich dank breiten Interesses und museologischer Aufarbeitung und Ausstellungspraxis das Museumsprojekt erneut, das 20 Jahre später 2001 umgesetzt wurde. Den Anstoß gab die drohende Verlagerung der Sammlung nach Berlin, die eine Patienteninitiative öffentlichkeitswirksam forderte. Getragen wurde das Projekt auch vom Einsatz des Freundeskreises der Sammlung, gegründet auf Initiative von Studierenden der Berliner Hochschule der Bildenden Künste, die auch die ersten Beiräte aktivierten ─ darunter Georg Baselitz, Gerhard Richter, Jean Christophe Ammann, Eduard Beaucamp und Peter Gorsen; ihnen folgten Johann Feilacher, Peter Gorsen, Johann Kresnik, Leo Navratil, Arnulf Rainer, Maria Rave-Schwank.

Das Museum präsentiert jährlich zwei bis drei thematische Ausstellungen und verfolgt das Ziel, zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen beizutragen. Gleichzeitig arbeitet sich das Haus als wissenschaftliche Einrichtung, die die Werke, die Lebensgeschichten hinter ihnen und weiterführende Fragestellungen erforscht. So wurden bereits mehrere umfangreiche von der DFG und der VolkswagenStiftung-finanzierte Forschungsprojekte umgesetzt.

Veranstaltungsprogramm 

Begleitet wird die Jubiläumsausstellung von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Führungen. Beteiligt sind langjährige Kooperationspartner wie das KlangForum e.V. und das Haus am Wehrsteg sowie neue Partner wie die City of Literature Heidelberg, das Enjoy Jazz Festival und das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Ein Tag der offenen Tür ermöglicht zudem Einblicke hinter die Kulissen des Museums.

Parallel startet die Reihe „Sammlung Prinzhorn zu Gast“, in der zahlreiche Museen Werke der Sammlung in einen Dialog mit ihren eigenen Beständen bringen. So wird die Frage „Alles Kunst?“ bewusst in unterschiedliche institutionelle Kontexte getragen.

Das Jubiläumsjahr wird gefördert durch die Baden-Württemberg Stiftung, die Stadt Heidelberg, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), die Hans-Ruland-Stiftung und die Freunde der Sammlung Prinzhorn e.V.

Die Sammlung Prinzhorn ist eine Einrichtung des Universitätsklinikums Heidelberg mit Unterstützung der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg